Schiefer in Ludwigsstadt

Der Schieferabbau in Ludwigsstadt reicht weit zurück. Dem GEOTOP-Dachschieferbruch Oertelbruch am Trogenbach wurde im Frühjahr 2004 von Umweltminister Dr. Werner Schnappauf das Gütesiegel "Bayerns schönste Geotope" verliehen.

Das Geotop 21

Durch den Schieferabbau sind steile Schrämwände entstanden. Dadurch ist es möglich, "einen Blick in die Erdgeschichte" zu werfen. Im oberen Bereich der Bruchwand sind Schichten aus dem Grenzbereich von Oberdevon und Unterkarbon angeschnitten. Die Schichtfolge zeigt schwarz abfärbende, tonige Rußschiefer des Unterkarbons, überlagert von Knotenkalk und Quarzit, die im Oberdevon entstanden sind. Die normale Schichtabfolge - jüngere liegen über älteren Gesteinen - ist hier im Schieferbruch umgekehrt: Die jüngeren Rußschiefer des Unterkarbons liegen unter den älteren Schichten des Devon. Der Grund für diese außergewöhnliche Anordnung ist die extreme Verfaltung der Gesteinsschichten bei der Gebirgsbildung. Durch die Überkippung einer Falte wurde die Schichtfolge sozusagen "auf den Kopf gestellt". Die Ablagerung der Sedimente erfolgte vor rund 350 bis 360 Millionen Jahren.

Der Schieferabbau im Trogenbachtal geht in das 18. Jahrhundert zurück. 1779 wurde der Dach- und Tafelschieferbruch eröffnet und das Material zunächst hauptsächlich für die Tafelherstellung der vielen Tafelmacher im Amt Lauenstein zur Verfügung gestellt. Der Schieferabbau hatte im Frankenwald und im angrenzenden Thüringen eine große wirtschaftliche Bedeutung, allerdings ging er nicht ohne Probleme vonstatten. Nur ca. 10 % des abgebauten Gesteins waren tatsächlich verwertbar, auch in den besten Lagen konnte die Hauptmasse des abgebauten Schiefers nicht verkauft werden, was die großen Halden auf dem Weg zu Bruchwand eindrucksvoll belegen.

Im Oertelsbruch fällt zudem das Schieferlager nach Nordwesten in den Berg ein. Die Kosten, das über dem Schiefer liegende unbrauchbare Gestein abzuräumen, war hoch und so wurde immer wieder der Betrieb eingestellt.

Der junge königlich-preußische Oberbergmeister Alexander von Humboldt versuchte 1794 mit dem Darlehen den Abbau wieder in Gang zu bringen. Er erkannte auch, dass es sich hier um das berühmte "Lehestener Dachschieferlager" handelt. Erst ab 1825 gelang es schließlich, dem aus Wurzbach stammenden, Ernst Oertel den Betrieb in Schwung zu bringen und das Dachschieferlager abzubauen, zeitweise großem Erfolg. 1859 legte er den ausgebeuteten Schieferbruch in Ludwigsstadt still. Zwischenzeitlich hatte sein Sohn, Karl Oertel, bei Schmiedebach auf der nahegelegenen "Steinernen Heide" bereits sein großes Schieferimperium gegründet.